We are

Von Hannah Arendt stammt der Gedanke, dass sich die moderne Massengesellschaft der westlichen Welt schrittweise und ohne es zu merken in die Hände des Totalitarismus begibt. Und das in einer Zeit, in der Demokratie zum Selbstverständnis der freien Welt geworden ist. In einer Zeit, in der jedem scheinbar die gleichen Rechte zuteil geworden sind, zumindest formal. Das in einer Zeit der scheinbaren Pluralität von Meinungen. Die These, sie klingt wie blanker Hohn. Doch Arendt, politische Theoretikerin und Publizistin, weiß ihre Ansicht zu begründen. Denn all jene Merkmale, die der demokratisch geformte Mensch idealtypisch aufweist, spricht ihm Arendt, zumindest teilweise, ab. Freiheit, Pluralismus ­– alles Quatsch, Relikte aus einer vergangenen Zeit. Gibt es nicht mehr. Alles vorbei, sagt sie. Wie kommt sie nur darauf? Arendt argumentiert, dem heutigen Menschen, unsereiner, der wir in der modernen Industriegesellschaft – und nur hierauf bezieht sich ihre These – unser Leben führen, fehle es an Erfahrung. Der Mensch sei in Watte gepackt, hungern müsse er schon lange nicht mehr, es gehe ihm, wenn man so will, viel zu gut.

Dies war nicht immer so. Der Mensch war es einmal gewohnt, für seine Rechte gerade zu stehen. Er kämpfte für Freiheit, weil er diese brauchte und sie nicht von vorneherein besaß. Er war eine tragende Säule in einem Bauwerk von Gleichen. Er war gleich – und doch einzigartig, weil er sich aufgrund seiner Erfahrung eine Meinung bildete, eine eigene. Und er war es gewohnt für diese in seinem Umfeld einzutreten. Weil sie mitunter sein persönliches Wohlergehen bedeutete. Die Teilhabe an der öffentlichen Welt, seine Meinung sagen – und eine Meinung haben, das war Freiheit. Nur so war der Mensch frei.

Zurück zu Arendt: Jedes Politischen System, so sagt sie, gleichgültig welcher Ausgestaltung, habe die Angewohnheit seinen Bürgern schrittweise Rechte zu entziehen. Denkt man diesen Gedanken zu Ende, so bedeutet dies, dass es in der Natur des Staates liegt, dem Menschen Stück für Stück seine Freiheit zu nehmen. Einst war dies unmöglich, es scheiterte am Widerstand des Einzelnen. Doch mittlerweile ist es das, möglich. Denn ein Mensch, dem es an etwas mangelt, der steht für seine Freiheit und Rechte ein, er kämpft für sein Wohlergehen, gegen Willkür, er wird zum politischen Wesen. In einer solchen Welt ist der Meinungsaustausch und der konstruktive Streit um Werte ein selbstverständliches Element der öffentlichen Welt. Eine solche Welt nennt sich Demokratie.

Doch was passiert mit uns heutzutage in der modernen westlichen Welt – uns, die wir scheinbar alles haben? Der politische Kampf wird zu Nebensache, zu einem Laster, einer Routine, auf deren Ausgestaltung der Einzelne scheinbar keinen Einfluss mehr hat. Hierin sieht Arendt die Wurzel allen Übels, einer schrittweisen Entmündigung des Einzelnen. Es fehlt uns an nichts, daher kämpfen wir nicht mehr. Wozu? Es hat doch ohnehin keinen Wert, sagt der Einzelne. Und verändert damit nichts. Lasst die Großen und Mächtigen machen, heißt es. Oder wir meckern, doch bleiben tatenlos. Das kann jeder! Statt für uns und andere einzutreten, statt am öffentlichen Diskurs teilzuhaben, lässt uns dieser kalt. Er ist uns lästig. Und eine eigene Meinung, die haben wir ohnehin nicht mehr. Wir vertreten eine Einheitsmeinung, jene der Medien. Wir werden entmündigt, denn die Mächtigen der Staatenwelt, die haben eine Meinung und vertreten diese gerne auch in unserem Namen. Weil wir nichts mehr dagegen tun. Was interessieren uns Menschrechtsverstoße in Nordkorea, wenn der Nachbar früh morgens schon den Rasen mäht und einen Höllenlärm verursacht. Wir sind weltignorant geworden. Unsere Prioritäten liegen auf Belanglosem.

Wir verrohen mehr und mehr. Was uns nicht persönlich betrifft, das lässt uns kalt. Menschenrechtsverletzung, Tierquälerei – gehen uns scheinbar nichts an, darum kämpfen wir nicht dagegen. Der konstruktive Streit ist längst aus der öffentlichen Welt verdrängt worden. Werte sind wertlos. An die Stelle von Themen wie Armut, Krieg, Menschenrechte, Tierquälerei oder Zensur tritt das Belanglose. Meinungen? Haben wir! Über facebook, Dieter Bohlen oder das neue iPhone. Wir haben verlernt, uns über Dinge zu ärgern, über Dinge, die wirklich wichtig sind. Wir haben verlernt uns für eine Sache einzusetzen – und verlieren so unsere Freiheit. Wir haben unsere Einzigartigkeit verloren und sind nur noch ein konformer Haufen von Menschen, von der Ökonomie und der Politik entmündigt. Weil wir es zulassen.

Dies ist ein Aufruf dazu, euch zu wehren. Schlagen wir sie mit ihren eigenen Waffen: dem Internet. wevsyou ist eine Plattform, die informieren soll. Informationen sind heutzutage wichtiger denn je. Nicht alles, was gesagt wird, ist wahr. Nehmt es nicht blind hin. Seid kritisch! Sucht eure Informationen selbst. Angefangen bei Lebensmittel, die uns als „gesund“ verkauft werden, bis hin zu Themen wie dem Waffenrecht in den USA, Diskriminierung, Naturschutz, Armut, Motivation, Gesundheit, Krieg oder Zensur. Alles ist relevant. Alles geht uns an. Überall kann angesetzt und erklärt werden. wevsyou will aufmerksam machen auf Dinge, die im Alltag untergehen. Bildung und Allgemeinwissen ist unsere stärkste Waffe, um gegen die allgemeine Dummheit und Ignoranz anzugehen. Gerade als junger Mensch sollte man wissen, was passiert. Ein guter Anfang ist die Tagesschau. Oder die Zeitung. Oder ein gutes Buch. Nicht die Zeitfresser „Whats App“ und „Youporn“. Sie machen euch roh, sie machen euch lahm, sie machen euch konform. wevsyou versteht sich als „Aufklärer“ gegen die Dummheit, die unser Leben zu beeinflussen scheint. Leider immer mehr. Wir wollen wachrütteln. Die Kids aus der Tristesse und Nutzlosigkeit befreien und dadurch beflügeln, etwas zu unternehmen. Etwas Wichtiges. Etwas Wichtiges zu schaffen

Hinterfragt, was um euch herum passiert, was falsch läuft auf unserem Planeten. Sagt eure Meinung! Postet, was euch nicht passt, was euch bewegt, aber auch was euch motiviert und freut. Teilt und diskutiert es mit anderen – werdet aktiv! Revolution beginnt bei jedem selbst. Revolution beginnt mit dem ersten Schritt. Macht ihn.

Don’t believe the hype. Stay true. wevsyou.

Das Team

Gründer: Christian Jegl
Crew: Niklas Drewlo, Marcel Schlegel, Jasmin Buck
Redaktion und Text: Marcel Schlegel

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